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2022 kommt „Sing for Gold“

Aktiv voran! Chorleiter und Juror Dr. Thomas Kreiling schaut nach vorn


In Tokyo wurden bei den Olympischen Sommerspielen Gold, Silber- und Bronzemedaillen von den Sportlerinnen und Sportlern bejubelt. Pandemiebedingt zwar ein Jahr verspätet und weitgehend ohne Zuschauer in den Stadien, aber trotz allem kann man die menschlichen Emotionen in Freude und Tränen der Sportlerinnen und Sportler am Bildschirm miterleben. Bei den Chören liegen die letzten Wettbewerbe, in denen Freud und Leid in Sieg oder Niederlage nahe beieinander liegen, zwei Jahre zurück. Bei dem weltweit größten Veranstalter von Chorwettbewerben dem Förderverein INTERKULTUR mit seinem Präsidenten, dem Pohlheimer Günter Titsch an der Spitze, blickt man jetzt mit einer gewissen Hoffnung auf den Herbst mit der bevorstehenden Eröffnung der chorolympischen 11. World Choir Games in Flandern/Belgien am 30. Oktober sowie der 1. Deutschen Chormeisterschaft in Koblenz am 26. November 2021. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass Fußballstadien mit Tausenden singenden Fans gefüllt werden, dass dies aber nicht für Chorkonzerte gilt.“ kritisiert Titsch die bisherige Politik und fordert mehr Öffnungen. Die Chorszene ist auch so wieder in Bewegung, seitdem immer mehr Sängerinnen und Sänger geimpft sind und es Testmöglichkeiten gibt. Endlich wurden auch wieder Präsenzproben aufgenommen. Die Zeit der erzwungenen Pause nutzte Titsch und sein Interkultur- Team schon darüber hinaus mit neuen Ideen im Blick auf das kommende Jahr. „Sing for Gold“ soll es dann im Frühjahr in Calella/Barcelona in Katalonien/Spanien heißen. Dort soll es zum 10-jährigen Jubiläum des Chorfestivals in Spanien, das vom 14. bis 22. Mai 2022 stattfindet, erstmals der World Choral Cup an den besten Chor vergeben werden. Dort wird auch der heimische Chorleiter Dr. Thomas Kreiling in der internationalen Jury die Auftritte der Chöre mit bewerten. Wie schätzt er die derzeitige Situation und Entwicklungen der Chorszene und speziell Interkultur ein und wie blickt er in die Zukunft. 

RG: Herr Dr. Kreiling, wenn Sie auf die vergangenen Monate in der Chorszene zurückschauen, sehen Sie Licht für die Chöre am Ende des Pandemie-Tunnels? 


Kreiling: Absolut! Auch wenn die Pandemie leider noch nicht überstanden ist, haben Chöre dennoch Wege gefunden, den Probebetrieb wieder aufzunehmen. Hierzulande ist durch den fortschreitenden Impfprozess und der aktuell niedrigen Inzidenz ein Präsenzproben wieder möglich. Global sind die Situationen jedoch sehr unterschiedlich und unterliegen schnellen Veränderungen, was ein Planen von Konzerten, Events oder Chorreisen natürlich erschwert; allerdings haben Chöre vielerorts nach der „Zwangspause“ bereits die Ärmel hochgekrempelt und schmieden eifrig Pläne. Hierzu will ich ausdrücklich anregen und motivieren; wir müssen die aktuelle Pandemielage akzeptieren, situativ und verantwortungsvoll handeln (insbesondere im Hinblick auf den Schutz und die Gesundheit der Chormitglieder) und aktiv voranschreiten. In einem Dornröschenschlaf, Selbstmitleid oder Lethargie zu verharren ist garantiert der kontraproduktivste Weg.       


RG: Wie ist es ihnen und ihren Chören selbst ergangen?

Kreiling: Durchwachsen. Nach einer amtlich verhängten 14-tägigen Chor-Quarantäne (aufgrund einer Covid-positiven Person in der Probe) und der darauffolgenden Schockstarre, erholte sich die Moral des Chores schon überraschend schnell. Maßgeblich verantwortlich war hierfür nicht der Chorleiter, sondern ein ideenreicher, kreativer und funktionierender Vorstand. Durch WhatsApp-Broadcasts wurden regelmäßig Erinnerungen, Bilder und Videos an alle Mitglieder versendet, es gab ein virtuelles Vereinsheim, virtuelle (Wein-)Meetings, virtuelle Yoga-Stunden, es wurden postalisch Mundschutze mit Chorlogo versendet, es wurden mehrere Chorvideos aufgenommen und über Social-Media-Kanäle verteilt (mit überwältigender Reichweite), später gab es dann Online-Proben über Jamulus. All diese Aktionen hielten die Chorgemeinschaft zusammen, sodass die Moral des Chores nicht in den Keller gesackt ist. Doch zugegebenermaßen – und das muss ich als Chorleiter natürlich eingestehen – ist, trotz intensiver Bemühungen, die musikalische Qualität nicht mehr auf präpandemischem Niveau; bei all den technischen Möglichkeiten des virtuellen Singens und Probens wäre es dennoch eine Schönrederei zu sagen, dass dies in der Effektivität einer Präsenzprobe gleichzustellen sei.     

RG: Sie waren ja bereits in Calella/Barcelona. Welchen Eindruck haben Sie von diesem Austragungsort? Erstmals gibt´s den World Choral Cup. Welche Bedeutung hat so ein Cup für die Chöre? 

Kreiling: Ja, tatsächlich durfte ich schon zweimal vor Ort bei einem Wettbewerb dabei sein und empfand die Zeit schlichtweg als magisch. Primär ist das den hochkarätigen Chören aus aller Welt, der schönen Musik und der perfekten Organisation des Events zu verdanken; abgerundet wird der Zauber aber durch die malerische Altstadt Calellas mit den kleinen Gässchen, der pulsierenden Metropole Barcelonas und den repräsentativen Konzert-Locations — und nach dem Auftritt geht´s halt nochmal zu Fuß an den Strand. Mega!

Ein World Cup der Chöre …. eine Frage der Ehre. Ich denke, dass diesem besonderen Pokal die gleiche emotionale und ideelle Bedeutung zugemessen werden kann wie dem gleichnamigen Cup im Fußball. Er bedeutet den Gewinnern die Welt und ich weiß schon heute, dass viele Freudentränen fließen werden, wenn im Mai 2022 der Gewinnerchor unter tosendem Applaus der anderen Chöre auf der großen Bühne den Cup überreicht bekommt und sich jubilierend über die Köpfe stemmt.      

RG: Wann kann man Sie mit den Chören wieder mal auf der Bühne live erleben? 

Kreiling: Uih, mit der Frage sind Sie etwas zu spät, denn mein Chor hatte schon seinen ersten Auftritt im malerischen Schloß Romrod Atriumhof. Ein Gänsehaut-Feeling, endlich wieder auf einer Bühne zu stehen und die leuchtenden Augen der Sänger*innen zu sehen, die sich ebenso lange nach diesem Moment gesehnt haben. Nunmehr haben die musikalischen Vorbereitungen für die traditionellen Weihnachtskonzerte begonnen, die (so hoffentlich die Lage erlaubt) am 10. und 11.12.2021 stattfinden sollen. Ich bin dahingehend optimistisch, auch wenn der Publikumsrahmen vermutlich anders aussehen wird wie bisher.   

Super League – Super Pleite

Was macht man, wenn einem das Wasser finanziell bis zum Hals steht? Ganz einfach. Man sucht sich einen der die Rechnung zahlt. So ähnlich dürften die Eigentümer einiger europäischen Fußball-Klubs gedacht haben. Ihr Plan: Wir gründen einen Super League und schwupp sind alle (Geld)Sorgen weg. Die Top 12 vereinigen nicht weniger als sage und schreibe 3,5 Milliarden Euro Schulden bei ihren Gläubigern. Unangefochtene Spitzenreiter sind Chelsea (1,51 Milliarden), Tottenham Hotspurs (1,28 Milliarden) und Real Madrid (900 Millionen). 

Was für ein Geschäftsmodell bei dem Geld wie in einer Müllverbrennungsanlage durch den Schornstein gejagt wird. Was läuft hier schief fragst du? Wer sind die Gewinner? Sicherlich nicht der brave steuerzahlende Bürger rund um den Globus. 

JP Morgan kam mit seinen angekündigten 3,5 Milliarden Euro als Super League Geburtshelfer gerade recht. Die mit einer gigantischen Bilanzsumme von 2.600 Milliarden ausgestattete US-Börsenspieler, sind Dank auch sprudelnden Geldquellen der Staaten ständig auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten, sei es um Steuern zu sparen. Werte des Sports sind da nicht wichtig, sei es, dass sie den Share Holder Value befriedigen. In den USA klappt das im Profisport schon prächtig. Ob Football, Baseball oder Basketball alles fest in der Hand von privaten Investoren. Abstieg, Aufstieg, Spannung nicht so wichtig. Hauptsache der Rahmen im TV und Netz passt, um zu verkaufen was einem noch mehr Gewinn verspricht. Der Fan ist nicht mehr als Staffage und Konsument. 

In Europa ist man noch nicht so weit. Hier gibt es noch Menschen, die den Fußball lieben. Unglaublich für die Manager, dass die sich wehren und auf die Barrikaden gehen. Rückzug war angesagt bei den Top-Playern. So wurde die Super League erstmal abgeblasen. Das Ende der Geschichte ist allerdings noch nicht gespielt. 

Der Fußballfan muss sich keine Sorgen machen. Der Ball bleibt weiter rund und ein Spiel dauert 90 Minuten und manchmal etwas länger. Erinnerst du dich, was wir in unserer Jugend brauchten, um Fußball zu spielen? Ein Stück Rasen, einen Ball und Tore, die durch unsere Jacken markiert waren. Wir Straßenfußballer lieben das Spiel. Sponsoren brauchten wir auf jeden Fall damals wie heute nicht. Es liegt in unseren Händen. 

Wuhan/China

Was bleibt ist der Virus…

Als im Dezember 2019 in der chinesischen Elfmillionenstadt Wuhan ein Patient mit Covid-19 entdeckt wurde war nicht klar, dass dies weltweit Kreise ziehen würde. Bereits am 17. November des gleichen Jahres war ein 55-jähriger Mann in der Provinz Hubei erkrankt. Er wird von der „South China Morning Post“ als „Patient Zero“ bezeichnet. Die Pandemie zog danach um die Welt und kostete unter den bisher 141 Millionen weltweit erkrankten Menschen über 3 Millionen Todesopfer, darunter 80.000 in Deutschland. Trauriger Spitzenreiter sind die USA mit 567.000 Opfern. 

Dir geht es sicherlich wie mir. Unsicherheit. Es könnte uns im Grunde egal sein, woher das Virus kommt. Fakt ist, es hebt unser bisheriges Leben aus den Angeln und rührt an den Fundamenten bisheriger Erkenntnisse. Die berühmte Redensart mit dem „Sack Reis“ der in China umfällt ist Geschichte, berührt er nunmehr unser Leben und Freiheit direkt. Egal gibt es nicht mehr.  

Zu welchen Typ Mensch gehörst du? Zu denen die die Lage analysieren, vorsichtig aber nicht Angst erfüllt handeln und überleben wollen oder zu denen die voller Hysterie kaum noch das Haus verlassen und sich auf das Ende der Menschheit vorbereiten oder zu denen die den Kopf in den Sand stecken und sagen „Covid, gibt’s doch gar nicht.“ und überall Verschwörungen sehen? Uns wurde Verstand gegeben, damit wir ihn gebrauchen. Was wäre, wenn es nicht Impfungen wie gegen Cholera, Diphtherie und Kinderlähmung gegeben hätte? Die Welt zuvor kann ein Lied davon singen. 

Wie auch immer, der Planet dreht sich weiter, denn auch diese Pandemie wird nicht die letzte der Menschheit sein. Für die Gemeinschaft mit seinem eigenen Urteilsvermögen, dem Wissen und seinem Handeln einstehen, ist dabei sicherlich nicht der schlechteste Ratgeber. Ein nachhaltiges Deutschland mit Europa kann nur in gemeinsamer Verantwortung in der Welt bestehen. Viren werden uns dabei weiter begleiten.    

Es ist wie es ist…

Spannende Zeiten benötigen besondere Blickwinkel. Herausforderungen fordern Kreativität. Ich arbeite an Lösungen mit Mehrwert für unser Leben. Sei gespannt. Kultur, Musik und Philosophie, Gesundheit, Leidenschaft und Liebe, Transformation. Menschsein. Unterstützung in besonderen Zeiten für dich sind mein tägliches Brot.